Newsletter Graphik

Die Welt der Wissenschaft

Newsletter

Pfeil nach unten
Pfeil nach unten
Gespräch des Patienten mit Psychiaterin

Psychische Krankheiten waren schon immer Teil unserer Gesellschaft, doch gerade durch die Folgen der Corona-Pandemie hat das Thema an Präsenz in der öffentlichen Debatte gewonnen. Abgesehen von der oft klischeehaften Darstellung in den (sozialen) Medien, gibt es noch sehr viel mehr über psychische Krankheit und Gesundheit zu erfahren.

1. Psychische Krankheiten gab es schon immer

Oft wird der Eindruck erweckt, dass psychische Krankheiten ein Phänomen unserer Zeit sind. Die hohen Zuwächse in der Statistik sind jedoch auch auf ein gesteigertes Bewusstsein und einen durch Entstigmatisierung entstandenen Kulturwandel zurückzuführen. Heutzutage nehmen psychisch belastete Menschen psychologische bzw. psychotherapeutische Angebote viel öfter wahr als früher. Psychische Krankheiten gab es also schon immer, dennoch nehmen sie leider in der Gegenwart aus unterschiedlichen Gründen stetig zu. Derzeit steigen die Zahlen aufgrund der Corona-Krise besonders stark.

Ausgrenzung kann zu psychischen Krankheiten führen

Abbildung 1: Psychische Krankheiten wie Depression oder Burnout nehmen in unserer heutigen Zeit stetig zu - doch auch die Therapiemöglichkeiten entwickeln sich weiter

2. Psychische Krankheiten sind kein Luxusproblem

Es ist ein Vorurteil, dass psychische Krankheiten nur entstehen, wenn man zu viel Zeit und/oder Geld hat. Aus der Psychotherapieforschung wissen wir, dass vor allem Armut und finanzielle Schwierigkeiten entscheidende Risikofaktoren für psychische Krankheiten sind. Unabhängig vom sozioökonomischen Status einer Person erhöhen vor allem genetische Faktoren, Einsamkeit, Konflikte, Stress, Gewalt, Traumata, Missbrauch uvm. das Risiko psychisch zu erkranken.

3. Psychische Krankheiten sind kein Resultat von fehlender Willensstärke

„Reiß dich doch einfach zusammen“, „Denk doch nicht ständig nur über deine Probleme nach“, „Du musst einfach positiv denken“, und viele andere Ratschläge bekommen Betroffene oft zu hören. Derartige Tipps helfen meist wenig, manchmal verschlimmern sie die Situation sogar. Denn Fakt ist: Psychische Krankheiten entstehen nicht aufgrund von fehlender Selbstdisziplin. Das Gegenteil ist der Fall: Verminderte Selbstregulationskompetenz und Antriebslosigkeit sind meist Symptome der Krankheit.

Psychotherapie ist kostspielig und wird nicht von der Kasse übernommen

Abbildung 2: Viele Menschen können Hilfe, die sie benötigen, nicht beanspruchen, da es zu wenig Untersützung durch Krankenkassen für die Behandlung gibt   

4. In Österreich gibt es viel zu wenig kassenfinanzierte Psychotherapie

Derzeit gibt es nur für rund 1 Prozent der Bevölkerung krankenkassenfinanzierte Psychotherapie. Das liegt daran, dass bis zum heutigen Tag bei der Behandlung von psychischen Krankheiten mittels Psychotherapie kein Gesamtvertrag mit den Krankenkassen zustande gekommen ist und somit in den meisten Fällen eine Privatleistung bleibt. Die Honorare für Psychotherapie liegen im Durchschnitt zwischen 70,00 Euro und 150,00 Euro pro Einheit (50 Min). Allerdings gibt es für Klient:innen die Möglichkeit, einen Krankenkassenzuschuss zu beantragen. Wird er bewilligt, bekommen Klient:innen, je nach Krankenkasse, pro Sitzung zwischen 28,00 Euro und 40,00 Euro refundiert. Trotz dieser Rückerstattung stellt die Bezahlung des Restbetrags für viele Betroffene eine große finanzielle Herausforderung dar.

5. Aber: Psychotherapie hilft (auch präventiv)

Psychotherapie ist nicht mit einem Gespräch mit einer guten Freundin oder einem guten Freund gleichzusetzen. Sie ist dem Gesundheitssektor zugeordnet und zielt darauf ab, Krankheiten professionell und wissenschaftlich fundiert zu behandeln. Aus der Forschung weiß man auch, welche Wirkfaktoren Psychotherapie erfolgreich machen: Die therapeutische Beziehung, die Entwicklung zur Veränderungsbereitschaft, die Freisetzung unterdrückter Emotionen und das Aktivieren von Ressourcen sind nur einige wichtige Beispiele davon.

Psychotherapie hilft

Abbildung 3: Eine gute Beziehung zwischen Psychotherapeut:in und Patient:in ist wichtig für eine erfolgreiche Therapie

Falls Sie sich derzeit über einen längeren Zeitraum erschöpft, antriebslos und niedergeschlagen fühlen oder ähnliche Symptome verspüren, wenden Sie sich an Ihre Hausärztin oder Ihren Hausarzt oder direkt an eine Psychotherapeutin bzw. einen Psychotherapeuten. In akuten Fällen können Sie auch immer bei der Telefonseelsorge Österreich (142) oder bei psychiatrischen Krisen den Psychosozialen Notdienst (31330) anrufen.
Mehr Informationen und Links finden sich unter "Psychotherapeutische Beratungsmöglichkeiten".

Miriam Dima befindet sich in der Ausbildung zur Psychotherapeutin am Postgraduate Center der Universität Wien. Neben ihrem zukünftigen Berufswunsch als Psychotherapeutin hat sie sich zum Ziel gesetzt, psychische Krankheiten zu entstigmatisieren. Daher möchte sie im Rahmen dieser Zusammenstellung grundlegende Informationen vermitteln, um Betroffenen, Angehörigen und interessierten Leser:innen Einblick in die Thematik zu gewähren.
Folgt ihr auf Instagram, wo sie über mentale Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung postet! 

Fakt 1:
Jacobi, Frank (2021): Nehmen psychische Krankheiten zu? Spektrum. Zugriff am 06. März 2021.
Zahlen und Fakten über psychische Krankheiten finden sich auf der Seite der WHO

Fakt 2:
Franzese, Fabio (2020): Mentale und psychische Gesundheit im Alter: Der Einfluss von Armut, Einkommensungleichheit und
    
Vermögensungleichheit. Verlag Barbara Burdrich. S. 65f.
Die Caritas schreibt hier über den Zusammenhang von Armut und psychischen Erkrankungen

Fakt 3:
Waller, Heiko (2007): Sozialmedizin. Grundlagen und Praxis. 6. Auflage. Kohlhammer. S. 217f.

Fakt 4:
Informationen zur Finanzierung der Psychotherapie in Österreich finden sich auf PsyOnline
Eine Initiative für kassenfinanzierte Psychotherapie: Mehr Psychotherapie jetzt

Fakt 5:
Pfammatter, Mario & Tschacher, Wolfang (2012): Wirkfaktoren der Psychotherapie – eine Übersicht und Standortbestimmung. Zeitschrift
    
für Psychiatrie, Psychologie und Psychotherapie, Vol. 60 (1), S. 67 – 76.

Hier finden sich die Publikationen über Psychotherapie der Donau-Uni Krems

Weitere Artikel