Astronaut im All

Wollen Astronaut:innen einen Weltraumspaziergang unternehmen, tragen sie einen Raumanzug. Zurecht, ist doch das offene All der lebensfeindlichste Ort überhaupt. In Science-Fiction-Filmen jedoch werden manchmal Raumfahrer:innen durch Unglück oder feindliche Kräfte dem Vakuum ungeschützt ausgesetzt und sterben dort spektakuläre Tode. Da kocht das Blut, da platzt der Kopf, da friert der Körper binnen Sekunden durch. Doch was würde tatsächlich passieren, würde man aus der Luftschleuse geworfen?

Der Weltraum, unendliche Weiten – und unendliche Möglichkeiten für Regisseur:innen, sich kreativ auszutoben. Sie können in ihren Filmen exotische Planeten erforschen, mit Raumschiffen die Galaxie durchqueren und gewaltige Schlachten schlagen, Laserkanonen inklusive. So vielfältig wie Weltraumfilme sind auch die Todesarten ihrer Protagonist:innen, die ungeschützt dem luftleeren Raum ausgesetzt sind. Im Film „Outland“ etwa schwillt der Kopf eines Astronauten an und explodiert schließlich, nachdem dessen Raumanzug einen Riss erlitten hat. Ähnliches widerfährt dem Widersacher von Arnold Schwarzenegger in „Total Recall“, als er durch eine Explosion der dünnen Marsatmosphäre ausgesetzt wird. Hingegen friert ein Mitglied der „Mission to Mars“ innerhalb von Sekunden ein, nachdem er seinen Helm im All abnimmt.

Hinaus aus der Luftschleuse

Unsere Astronautin kommt in einer Luftschleuse zu sich. Benommen merkt sie, dass ihr Raumanzug fehlt. Sie will noch schreien, da öffnet sich hinter ihr zischend die Schleuse. Die Luft verlässt innerhalb von Sekunden das Raumschiff, unsere Astronautin ist dem Vakuum ausgesetzt. Hätte sie den Atem angehalten, so würde sich die Luft in ihrer Lunge rapide ausdehnen, bis sie reißt. Davor fürchten sich auch Taucher:innen, die schnell aus großer Tiefe aufsteigen müssen. Wäre die Astronautin noch dazu erkältet, sodass ihr Innenohr schlecht belüftet ist, könnten auch ihre Trommelfelle platzen.

Luftschleuse öffnet sich

Die Luftschleuse öffnet sich, unsere Astronautin trudelt in die Leere des Weltraums. Was wird mit ihr geschehen? 

Die letzten zwei Minuten

Doch durch ihre Schreie sind die Lungen leer, sie spürt also nur die extreme Kälte des Alls. Der einzige Wärmeverlust im Vakuum geschieht durch Wärmestrahlung. Da das langsam passiert, friert sie nicht sofort ein. Tatsächlich bekommt sie durch die aggressive UV-Strahlung, der sie hier ungeschützt ausgesetzt ist, einen Sonnenbrand. Nach wenigen Sekunden wird die Astronautin bewusstlos. Nicht weil ihr Blut kocht, denn der Körper funktioniert wie ein Druckgefäß und kann den Druckunterschied ausgleichen. Darum dehnt sich ihr Körper auch nicht aus und ihrem Kopf bleibt es erspart, grausig zu explodieren. Sie verliert das Bewusstsein durch den Sauerstoffmangel. Das Letzte, das sie spürt, ist, wie der Speichel auf ihrer Zunge zu kochen beginnt. Der Unterdruck bewirkt nämlich, dass sich der Siedepunkt von Wasser unter die Körpertemperatur verschiebt. Nach etwa ein bis zwei Minuten erstickt die Astronautin schließlich.

Astronaut mit zersprungenem Helm

Das Weltall ist kein besonders lebensfreundlicher Ort. Die interstellaren Filmtode sind aber dennoch meist übertrieben.

Glücklicherweise musste noch niemand das Schicksal unserer hypothetischen Astronautin erleiden. Allerdings kam es 1965 im Zuge eines Tests der NASA zu einem Unfall, bei dem ein Mann ungeschützt in einer Vakuumkammer eingeschlossen war. Er verlor nach 14 Sekunden das Bewusstsein und berichtete danach von kochendem Speichel. Der Mensch würde jedenfalls einen längeren Aufenthalt im offenen All ohne Raumanzug nicht überleben. Der Tod würde aber relativ unspektakulär ablaufen. Es gibt übrigens auch Filme, in denen Menschen kurze Zeit dem All ausgesetzt sind und überleben. Das ist zwar näher an der Realität, aber längst nicht so spannend.

Weitere Artikel