Ein Nagetier im Vordergrund links, rechts dahinter ein Kreuzfahrtschiff

Was ist das Hantavirus, wie wird es übertragen und droht eine neue Pandemie? Fünf Fakten zu den aktuellen Ereignisse rund um die MV Hondius.

Gerade erst haben wir als Gesellschaft die Covid 19 – Pandemie und ihre Folgen verdaut, da klopft bereits der nächste Virus and die Tür. In diesem Fall der Hantavirus - an die Türen eines Kreuzfahrtschiffes. Liest man die aktuellen Schlagzeilen einiger großer österreichischer Tageszeitungen, möchte man bereits wieder zur FFP2-Maske greifen. „Was das Hantavirus derart gefährlich mach!“ (Salzburger Nachrichten, 2026), „Hanta-Virus: Österreicher war kurzzeitig mit infizierter Person im Flugzeug.“ (Die Presse, 2026). Um der anhaltenden Endemie des Halbwissens Einhalt zu gebieten, versuchen wir, die aktuellen Ereignisse im Zusammenhang mit dem Hantavirus sachlich einzuordnen.

1. Es gibt nicht DAS Hantavirus

Bei den Hantaviren handelt es sich um eine Virusfamilie, der über 50 verschiedene Virusspezies angehören. Sie wurde erstmals im Jahr 1977 beschrieben (WHO, 2008). Hantaviren kommen weltweit in verschiedenen Nagetierarten vor. Meistens ist eine bestimmte Nagetierspezies von einer bestimmten Hantavirus-Spezies besiedelt. Diese infizierten Tiere können unter bestimmten Umständen andere Nagetiere und Menschen infizieren (Abdoler & Malani, 2025).

2. Die Übertragung auf den Menschen geschieht durch Nagetiere und ist selten

Zu einer Übertragung von Tier zu Mensch kommt es nur äußerst selten. Die Viren werden über Kot, Speichel und Urin des Tieres übertragen. Um sich zu infizieren, muss ein Mensch daher mit den Exkrementen des Tieres in Berührung kommen oder von einem infizierten Nagetier gebissen werden. In einzelnen Fällen genügt auch das Einatmen von Viruspartikeln, doch hierfür müssen Aerosole aus dem Harn oder Stuhl des Tieres eingeatmet werden. Meist sind Menschen betroffen, die regelmäßigen Kontakt zu wilden Nagetieren oder ihren Exkrementen haben. In Österreich sind vor allem Personen betroffen, die in der Landwirtschaft oder Forstwirtschaft tätig sind (Carmona, 2025; Robert-Koch-Institut, 2020).

So wurden im Jahr 2025 in Österreich 30 Fälle gemeldet. Die Fallzahlen variieren jährlich (2016–2025: 19–276 Fälle pro Jahr) (AGES, 2026). Auch in Deutschland zeigen sich in den letzten Jahren vergleichbare Häufigkeiten. Von allen Hantaviren ist nur eine einzige Spezies bekannt, die eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ermöglicht: das Andes-Virus. Es ist vor allem in Südamerika verbreitet und dort endemisch.

Als Endemie werden Erkrankungen bezeichnet, die in einem bestimmten Gebiet verbreitet sind und immer wieder auftreten. Es kommt zu keiner deutlichen Zunahme oder Abnahme der Betroffenen und die Erkrankung ist meist auf ein bestimmtes Gebiet begrenzt. Ein bekanntes Beispiel hierfür ist die Malaria, die in den Tropen weit verbreitet ist und jährlich etwa gleich viele Menschen betrifft

3. Gegen Hantaviren gibt es bisher kein gezieltes Medikament

Bei einer Infektion werden daher nur die Begleiterscheinungen behandelt. Die Infektion mit einem Virus der Hantafamilie verläuft oftmals asymptomatisch, sprich eine infizierte Person entwickelt keinerlei spürbare Beschwerden. Es können jedoch auch schwerwiegende und teils lebensbedrohliche Symptome auftreten (Carmona, 2025). In Nord- und Südamerika kann es durch die dort verbreiteten Viren zu einem hantavirusinduzierten kardio-pulmonalen Syndrom (HPS/HCPS) kommen. Dabei kann es auch zu dem gefürchteten akuten Atemnotsyndrom (ARDS) kommen (Abdoler & Malani, 2025). Diese Verlaufsform machte auch das SARS-CoV-2-Virus für einige Personengruppen tödlich.

In Europa und Afrika kommt es dagegen eher zu einem hämorrhagischen Fieber mit renalem Syndrom (HFRS). In der ausgeprägtesten Form kann es hierbei auch zu inneren Blutungen und Nierenversagen kommen (Abdoler & Malani, 2025). Beide Komplikationen sind zwar selten, erfordern jedoch eine intensivmedizinische Betreuung der Betroffenen. Eine antivirale Therapie gegen die Familie der Hantaviren gibt es derzeit nicht. Übersteht der Patient/die Patientin die Erkrankung, geht man von einer lebenslangen Immunität aus (Robert-Koch-Institut, 2020).

4. Die MV Hondius wurde bereits erfolgreich evakuiert

Auf dem Kreuzfahrtschiff „MV Hondius” kam es zu einer Mensch-zu-Mensch-Übertragung des Andesvirus, wodurch mehrere Passagiere infiziert wurden. Am 2. Mai erhielt die Weltgesundheitsorganisation (WHO) erste Informationen über mehrere Fälle einer schweren Atemwegserkrankung. Bis zum 13. Mai 2026 wurden der WHO elf Fälle gemeldet (acht bestätigt, zwei Verdachtsfälle und ein inkonklusiver Fall). Von diesen elf Fällen sind drei Personen verstorben (WHO, 2026).

Aus heutiger Sicht wird davon ausgegangen, dass sich ein Passagier in Südamerika mit dem Virus infiziert hat und es dann auf andere Passagiere übertragen hat. Nach bisherigem Wissensstand ist für eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung enger Kontakt über längere Zeit erforderlich, wie er beispielsweise im selben Haushalt besteht. Diese Umstände sind auf einem Kreuzfahrtschiff durchaus gegeben.

Ein Teil der infizierten Personen ist asymptomatisch und wohlauf. Sie wurden bereits in eigens dafür vorgesehenen Flugzeugen in ihre Heimatländer überstellt und befinden sich in Quarantäne. Laut der WHO befindet sich das Schiff bereits auf Heimatkurs, wobei die gesunden Besatzungsmitglieder weiterhin regelmäßig getestet werden (WHO, 2026).

5. Es droht nach derzeitigem Wissensstand keine erneute Pandemie

Derzeit sind acht Personen gesichert, die sich auf der MV Hondius befanden und mit dem aus der Hantafamilie stammenden Andesvirus infiziert sind. Aufgrund des akuten Atemnotsyndrom (ARDS), welches bei dieser südamerikanischen Variante auftreten kann, sind zwei Personen verstorben, eventuell auch drei (bei einer ist unklar, ob sie infiziert war). Eine Mensch-zu-Mensch-Übertragung ist bei dieser Variante zwar möglich, doch hierfür müssen die Menschen viel Zeit auf engem Raum verbringen. SARS-CoV-2 hingegen ist ein Virus, das sich rasch über die Atemluft verbreitet. Alle derzeit positiv getesteten Personen befinden sich bereits in Quarantäne. Alle anderen wurden negativ getestet. Auch bei der Person, bei der unklar ist, ob sie infiziert wurde, werden regelmäßig Tests durchgeführt. Sie ist derzeit symptomfrei.

Acht gesicherte und drei eventuell infizierte Personen machen noch keine Pandemie. Vor allem, da dieser Virus in Südamerika bereits stetig vertreten ist. Aufgrund der Enge auf dem Kreuzfahrtschiff kam es zu einem raschen Anstieg der Fälle, doch der Großteil der Passagiere wurde gesund und virusfrei nach Hause gebracht.

Abdoler, E. A., & Malani, P. N. (2025). What Is Hantavirus?. JAMA, 334(1), 98-98.

AGES (2026). Hantavirus. Österreichische Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit GmbH. Abrufbar unter: https://www.ages.at/mensch/krankheit/krankheitserreger-von-a-bis-z/hantavirus

Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz. Hantavirus. Stand 09.05.2026, 12:00, Abrufbar unter: https://www.sozialministerium.gv.at/Themen/Gesundheit/Uebertragbare-Krankheiten/Infektionskrankheiten-A-Z/Hantavirus.html

Carmona, S. (2025). Hantavirus infection. MSD Manual Professional Version. Reviewed by C. A. Muzny. Retrieved May 19, 2026, from https://www.msdmanuals.com/professional/infectious-diseases/arboviruses-arenaviridae-and-filoviridae/hantavirus-infection

Die Presse. (2026). Hantavirus: Österreicher war kurzzeitig mit infizierter Person im Flugzeug. 13.05.2026
Siehe: https://www.diepresse.com/23874423/hantavirus-oesterreicher-war-mit-infizierter-person-im-flugzeug

Robert-Koch-Institut (2020). Hantavirus-Erkrankung. RKI-Ratgeber. Stand: 13.11.2020 Erscheinungsdatum: 01.09.2006. Abrufbar unter: https://www.rki.de/DE/Aktuelles/Publikationen/RKI-Ratgeber/Ratgeber/Ratgeber_Hantaviren.html?nn=16777040#doc16792024bodyText2

Salzburger Nachrichten (2026).
Evakuierung des Kreuzfahrtschiffes steht vor dem Abschluss: Was das Hantavirus derart gefährlich macht. 11.05.2026
siehe: https://www.sn.at/panorama/wissen/evakuierung-des-kreuzfahrtschiffes-steht-vor-dem-abschluss-was-das-hantavirus-derart-gefaehrlich-macht-art-649021


World Health Organization (2026). Disease Outbreak News. Hantavirus cluster linked to cruise ship travel, Multi-country. Available at:
https://www.who.int/emergencies/disease-outbreak-news/item/2026-DON601

World Health Organization (2008). Guidelines on Establishment of Virology Laboratory in Developing Countries. ISBN 978-92-9022-335-1

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