mysterium der wissenschaft: Kugelblitz, vier Männer erschrecken sich

Kugelblitze, Aal-Fortpflanzung, Brieftauben, das Voynich-Manuskript und Weltallsignale: In diesem Artikel berichten wir über fünf Mysterien der Wissenschaft, für die es bisher keine Erklärungen gibt.

Die Wissenschaft hat die Menschheit weit gebracht. Wir waren schon am Mond und haben gerade seine Rückseite erkundet. Dank moderner Forschung fliegen wir in Flugzeugen um die Welt und sind schon in wenigen Stunden auf anderen Kontinenten. Und menschengeschaffene Künstliche Intelligenz hilft heute dabei, rascher als je zuvor große Datenmengen zu analysieren – und so die Forschung noch weiter voranzubringen.

Doch die Wissenschaft stößt tatsächlich häufiger an ihre Grenzen, als sie erfolgreich ist – sogar scheinbar banale Dingen bleiben oft ein Mysterium. alexandria stellt dir 5 Fakten vor, die die moderne Wissenschaft bis heute nicht erklären kann.

1. Vom Kugelblitz getroffen

7. Juni 1967: Der Ingenieur Alexander Mickelson sitzt des nachts in einer Ferienhütte am Rande der lettischen Hauptstadt Riga und hört entspannt Radio, während draußen ein Gewitter vorbeizieht. Kurz vor Mitternacht möchte er sich schlafen legen und greift nach dem Ausschaltknopf des batteriebetriebenen Radios. Da schwebt eine etwa Fußball-große Kugel aus weiß-blau leuchtendem Licht aus dem Gerät, bleibt kurz über der Hand des Mannes in der Luft stehen und erlischt dann mit einem lauten Knall, der Mickelsons schlafende Familie aufweckt. Seine Hand fühlt sich taub an, ansonsten ist er unverletzt.

Auf der ganzen Welt und über Jahrhunderte hinweg existieren ähnliche Geschichten, die von der Sichtung eines grell leuchtenden Balls nach einem Gewitter erzählen. Bis heute verstehen wir nicht, was es mit diesem Ball, dem sogenannten Kugelblitz, auf sich hat. Augenzeug:innen zufolge kann er einen bis zu zehn Meter großen Durchmesser haben und unterschiedliche Farben, wie Blau, Orange oder Rot annehmen. Er riecht nach Schwefel und schwebt meist nahe dem Boden. Wenn er umher rast, erlischt oder explodiert, kann das auch Dinge zerstören oder Menschen ihr Leben kosten (Keul, 2021).

Ein Erklärungsansatz ist, dass ein Blitz Mikrowellen erzeugt, die die Luft zu elektrischem Plasma aufladen, welches die Wellen in einer kugelförmigen, leuchtenden Blase einschließt (Wu, 2016). Chemische Modelle vermuten, dass ein Blitz beim Einschlagen Bodenmaterial wie Silizium verdampft. Die dadurch gelösten Nanopartikel reagieren mit der Luft und beginnen so zu leuchten (Abrahamson & Dinniss, 2000).

Wie kann es jedoch sein, dass der kugelförmige Blitz durch winzige Öffnungen oder Glas dringt? Wieso explodiert er manchmal und erlischt andere Male einfach wie eine Kerze? All das können diese Theorien nicht erklären. Und weil das Phänomen so selten auftritt, kann es auch nach wie vor kaum studiert werden.

2. Aal-Liebe

Der Europäische Aal ist ein umherziehender Wanderfisch. Vom kalten Norden Islands über die fruchtbaren Algenwälder im Bermuda-Dreieck, bis hin zu den warmen Buchten Nordafrikas hat das schlangenförmige Flossentier überall im Atlantik seinen Wohnraum. Doch seine Zahlen nehmen stetig ab und Forschende vermuten, dass der Fisch in 20 bis 30 Jahren ausgestorben sein könnte.

Europäische Aale leiden unter Überfischung und der wachsenden Umweltverschmutzung durch Plastikmüll im Meer. Ihre Bestände lassen sich auch durch gezielte Zucht nicht vergrößern, denn bis heute weiß man nicht, wie diese Aale sich paaren. Somit kann der Mensch dabei auch nicht nachhelfen.

europäische aale beim Paaren, mit vielen Fragezeichen

Noch nie hat jemand europäische Aale bei der Fortpflanzung beobachtet. Die Wissenschaft ist dementsprechend ahnungslos, wie die Paarung vonstatten geht.

Es gibt zwar einige Forschungseinrichtungen für den Aal, doch dafür müssen immer neue Fische gefangen werden. Von selbst pflanzen sich die Tiere in Gefangenschaft nämlich nicht fort. Und die Paarung in freier Wildbahn zwischen Europäischen Aalen sowie das Ablaichen, also das Eierlegen, haben Menschen noch nie beobachtet (Scholz & Passig, 2008).

Zumindest wissen Meeresbiolog:innen, dass die Kinderstube der Aale in der Sargassosee östlich von Florida liegt, wo das Wasser nährstoffreich und warm ist. Um den Aal vor dem Aussterben zu retten, wird weiter versucht, hinter das Geheimnis der Aal-Paarung zu kommen und ihn zu züchten. Am besten für den Aal wäre es wohl, wenn der Mensch die Meere reinhalten und den Aal in Ruhe lassen würde (Abelvik-Lawson, 2024).

3. Rätselhafte Briefträger

Während wir heute Nachrichten im Bruchteil einer Sekunde um die Welt schicken können, dauerte die Versendung eines Briefs mit einem Boten zu Pferd oder zu Fuß vor der Industrialisierung noch mehrere Tage bis Wochen. Von der Antike bis Mitte des 19. Jahrhunderts nutzte man daher alternativ einen schnelleren und gefiederten Briefträger – die Brieftaube.

Mehrere hundert Kilometer kann die Brieftaube von ihrem heimatlichen Nistplatz entfernt sein und trotzdem nach Hause finden. Deshalb nahm man sie früher auf Reisen mit und band ihnen bei Bedarf Briefe ans Bein, die man nach Hause zur Familie schicken wollte, wo auch der Taubenschlag der Vögel stand. Die moderne Forschung hat bisher jedoch nicht vollständig geklärt, wie die Taube tatsächlich jedes Mal Heim findet.

brieftaube mit roter papierrolle

Die Brieftaube ist ein Mysterium für die Wissenschaft: Niemand weiß, wie sie sich orientiert.

Erforscht ist, welche Sinne die Taube zur Navigation nutzt. Sie orientiert sich am Stand der Sonne, dem Magnetfeld der Erde und den visuellen Landmarken – also den natürlichen Orientierungspunkten in der Landschaft, wie Bergen oder Seen. Am wichtigsten scheint aber die Orientierung nach Gerüchen in der Luft – die sogenannte „olfaktorische Karte“ – zu sein. Experimente haben gezeigt, dass Tauben ihren Weg deutlich schlechter finden, wenn ihr Geruchssinn blockiert wird (Gagliardo, 2005).

Offen bleibt bisher jedoch, wie die Taube diese Sinnesinformationen in Körper und Geist dann zu einer internen „Wegbeschreibung“ zusammenführt. Wie kann ein Vogel, der 700 Kilometer weit von seinem Nest entfernt ist in die Luft steigen und dort dann genau riechen, bei welchem Baum er links oder rechts Richtung Heimat abbiegen muss?
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die letzten Brieftauben durch das Telegramm und später durch Telefone und das Internet abgelöst. Ihr Navigationsgeheimnis fasziniert Forscher:innen aber bis heute.

4. Die Geheimsprache des Voynich-Kodex

In einer seltsamen grünen Flüssigkeit baden nackte Frauen. Manche von ihnen halten sich gegenseitig an den Händen. Manche scheinen große Schläuche oder Duschköpfe zu bedienen. Neben ihnen entdeckt man auf den vergilbten Buchseiten auch Pflanzen – Blüten, Blätter, Wurzeln, Knollen und Stacheln – sowie Tiere, Sternbilder und Mandala-ähnliche Muster. Die Farben all dieser Zeichnungen sind über die Jahrhunderte etwas verblasst, aber die Motive sind immer noch gut erkennbar. Auch ihre Beschriftung ist perfekt erhalten. Doch verstehen kann sie bisher keiner.

Das Voynich-Manuskript ist ein um die 600 Jahre alter Kodex und stammt vermutlich aus Italien. Benannt ist es nach Wilfrid Michael Voynich, der das mysteriöse Schriftstück 1912 in einer von Jesuiten bewohnten Villa fand. Die detaillierten Illustrationen und vor allem die Texte des mittelalterlichen Buches faszinieren und irritieren bis heute: Denn die Sprache, in der sie verfasst wurden, ist gänzlich unbekannt. Sie wurde nirgendwo sonst jemals gesehen.

Forschende vermuten anhand der Zeichnungen, dass der Text sich mit wissenschaftlichen Themen – der Biologie, der Astronomie oder der weiblichen Anatomie – beschäftigt. Um den Code zu knacken, zählten Historiker:innen und Kryptolog:innen die unterschiedlichen verwendeten Glyphen, also „Buchstaben”, und identifizierten in etwa 20-30 Stück, ähnlich den bekannten europäischen Sprachen. Das könnte darauf hindeuten, dass der Text keine eigene unbekannte oder erfundene Sprache abbildet, sondern bloß eine existente Sprache in eine konstruierte Geheimschrift übersetzt. Die neueste Theorie vermutet, dass man im Manuskript eine echte Sprache durch einen mit Spielkarten und Würfeln generierten Zufallscode in Geheimzeichen übersetzte.

Allerdings sind manche Wörter ungewöhnlich lang und wiederholen sich öfter, als das aus anderen Sprachen bekannt ist. Das könnte wiederum auf eine fremde Sprache, etwa antikes Türkisch, oder eine Fantasiesprache hinweisen. Einige Kryptologen, wie der IT-Wissenschaftler Gordon Rugg, vertreten überhaupt die Ansicht, dass die Verfasser des Voynich-Manuskripts ihr Werk bloß mystisch und wissenschaftlich aussehen lassen wollten. Der Text sei ein Hoax und habe nie etwas bedeuten sollen (Rugg, 2004).

Heute versuchen Wissenschaftler:innen mit modernen KI-Modellen hinter das Rätsel des Voynich-Kodex zu kommen. Doch bis das klappt, bleibt weiterhin unklar, ob sich in dem mittelalterlichen Buch Zaubersprüche, fortschrittliche Forschungserkenntnisse oder doch nur Nonsens verbirgt.

5. Wow! Ein Signal aus dem Weltall

Im Sommer 1977 richtet der Astronom Jerry Ehman das „Big Ear“-Teleskop der Ohio State University auf das Sternbild des Schützen. Seine Maschinen messen das Grundrauschen des Weltraums, das durch Gaswolken und Galaxien entsteht, und notieren es als Radiosignale.

Plötzlich werfen Ehmans Maschinen eine extreme Spitze in der Signalfrequenz aus – 30-mal stärker als das normale Signal und in etwa 72 Sekunden lang. Dort oben im All muss etwas passiert sein. Aber was? In roter Schrift notiert Ehman „Wow!“ auf dem Dokument mit den außergewöhnlichen Signal-Daten. Das seither Wow!-Signal genannte Phänomen ist immer noch ungeklärt (Ehman, 1998).

Als natürliche Ursache könnte ein Weltraumblitz, ein Komet oder eine vorbeiziehende Wasserstoffwolke in Frage kommen. Schwache Wow!-Signale ließen sich nämlich später in solchen Wolken aufnehmen. Manche Forschende vermuten aber auch eine künstliche Quelle – eine außerirdische Technik – als Auslöser des Signals (Kipping & Gray, 2022; Méndez et al., 2024).

Die Aufklärung dieses Phänomens erweist sich jedoch als unmöglich, da ein Signal dieser Frequenzstärke seither nie mehr gemessen wurde.

Der Großteil unserer Welt liegt also weiterhin im Verborgenen. Es ist Aufgabe der Wissenschaft, ihre Geheimnisse zu lüften und so die Spielregeln des Universums besser zu verstehen.

   Abelvik-Lawson, H. (2024). Die Sargassosee: Der „goldene schwimmende Regenwald“. Greenpeace. https://www.greenpeace.ch/de/story/107949/die-sargassosee-der-goldene-schwimmende-regenwald/ (Aufgerufen 3. März 2026).
   Abrahamson, J., & Dinniss, J. (2000). Ball lightning caused by oxidation of nanoparticle networks from normal lightning strikes on soil. Nature, 403, 519–521.
   Ehman J. R. (1998). The Big Ear Wow! Signal: What We Know and Don’t Know About It after 20 Years. OSURO. Working Paper.#
  Gagliardo, A. (2005). Avian navigation: Pigeon homing as a paradigm. Journal of Experimental Biology, 208(22), 4189–4190. https://doi.org/10.1242/jeb.01891
   Keul, A. G. (2021). A brief history of ball lightning observations by scientists and trained professionals. History of Geo- and Space Sciences, 12, 43–56. https://doi.org/10.5194/hgss-12-43-2021
   Kipping, D., & Gray, R. (2022). Could the ‘Wow’ signal have originated from a stochastic repeating beacon? Monthly Notices of the Royal Astronomical Society, 515, 1122–1129. https://doi.org/10.1093/mnras/stac1807#
   Méndez, A., Ortiz Ceballos, K., & Zuluaga, J. (2024). Arecibo Wow! I: An astrophysical explanation for the Wow! signal. arXiv. https://doi.org/10.48550/arXiv.2408.08513
   Passig, K., & Scholz, A. (2008). Lexikon des Unwissens: Worauf es bisher keine Antwort gibt. Rowohlt.
  Rugg, G. (2004). An elegant hoax? A possible solution to the Voynich manuscript. Cryptologia, 28(1), 31–46. https://doi.org/10.1080/0161-110491892755
   Wu, H.-C. (2016). Relativistic-microwave theory of ball lightning. Scientific Reports, 6, 28263. https://doi.org/10.1038/srep28263

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