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Alternative Medien Titelbild

Die Zahl alternativer Medien nimmt stetig zu. In Teil 1 der Serie zu alternativen Medien erfahrt ihr, was man unter alternative Medien versteht, mit welchen Methoden solche Medien arbeiten und welche Ziele sie verfolgen.  

Warum das wichtig ist: Bei Betrachtung der Medienlandschaft nimmt der Einfluss von alternativen Medien neben etabliertem Qualitätsjournalismus immer weiter zu. Diese werden mehrheitlich von der Gesellschaft als etwas Absurdes wahrgenommen und oft mit Verschwörungstheorien und extremen Inhalten in Verbindung gebracht. Für bewusste Medienkonsument:innen ist es jedoch unumgänglich sich mit alternativen Medien, deren Inhalten, Methoden und Zielen auseinanderzusetzen und deren Gefahr für eine offene Zivilgesellschaft zu erkennen.

alexandria arbeitet nach wissenschaftlichen Standards. Das bedeutet, wir wählen die in unseren Artikeln zitierten Quellen sehr sorgfältig aus. Meist greifen unsere Autor:innen, wie in guter wissenschaftlicher Praxis üblich, auf Artikeln in Peer-Reviewed-Journals und anderer Fachliteratur zurück.

In den beiden Teilen unseres Artikels zu Alternativen Medien findet ihr jedoch überwiegend Zitate aus Zeitschriften, die nicht Peer-Reviewed sind und sich auch nicht als Fachliteratur verstehen. Noch dazu sind wir uns bewusst, dass es einen Interessenskonflikt zwischen etablierten Medien und alternativen Medien gibt.
Dennoch haben wir uns in diesem Fall dazu entschlossen, die zitierten Zeitschriften als Quellen zuzulassen. Das hat unter anderem mit der Aktualität des Themas zu tun und mit der Tatsache, dass der Diskurs über alternative Medien vor allem innerhalb von Medien geführt wird. Natürlich haben wir trotzdem unsere gewohnten Kriterien an diese Quellen angelegt: Sie müssen ein möglichst hohes Maß an Objektivität erfüllen; sie dürfen nicht polemisch sein; und sie werden nur dann herangezogen, wenn im Lektorat keine passendere wissenschaftliche Quelle gefunden werden konnte.

alexandria ist es wichtig, die wissenschaftliche Arbeit und den Entstehungsprozess unserer Artikel transparent und nachvollziehbar zu machen. Auch damit können unsere Leser:innen erfahren, wie wissenschaftliche Arbeit in der Praxis funktioniert und wo sie auf Grenzen stoßen kann.
Wenn ihr uns diesbezüglich etwas schreiben wollt, freuen wir uns über euer Feedback an office@alexandria-magazin.at!
Viel Spaß beim Lesen wünscht euch eure,
alexandria Redaktion

Umbruch in der Medienbranche

"Offenbar ist Unzenszuriert.at als kritisches Medium dem Mainstream zu unangenehm geworden."
(Redaktionelle Reaktion von „unzensuriert.at“ nach der vorrübergehenden Sperrung deren Seite auf der Social Media Plattform „Facebook“. 09/2018)

Die Medienlandschaft befindet sich im Wandel. Seit einiger Zeit ist das Phänomen zu beobachten, dass sich neben etablierten Qualitätsmedien Namen wie Breitbart, RT, Wochenblick, Kontrast, Compact oder unzensuriert.at gesellen. Auf den ersten Blick wirken diese Nachrichtenportale sowohl in ihrem formalen Auftreten als auch ihrer Vertriebsart professionell aufgestellt und zeigen klare Ähnlichkeiten zu bekannten Medienhäusern. Bei genauerem Hinsehen fällt auf, dass ein starker Unterschied in der inhaltlichen Ausrichtung der veröffentlichten Beiträge zu Letztgenannten besteht. Die Themen sind u.a. regierungskritisch und reichen dabei von Impfkritik bis hin zu Weltverschwörungstheorien. Selbst bezeichnen sie sich als alternative Medien und wollen ein „mediales Gegenstück“ zu den, von ihnen meist abwertend bezeichneten, „Mainstream-/ oder Massenmedien“ sein.
Doch wer alternative Medienformate für einen bedeutungslosen Stein im Mosaik der weltweiten Medienlandschaft hält, irrt. Die Einflussnahme solcher Medien auf soziale, wirtschaftliche und vor allem politische Prozesse nimmt sowohl im internationalen, als auch im nationalen Kontext zu. Beispiele hierfür sind einerseits die wichtige Rolle von Breitbart-Chef Stephen Bannon für die Wahlkampagne 2016 von Donald J. Trump (Internationale Politik, 2018) oder andererseits die Besetzung hoher Stellen im Ressort des österreichischen Innenministeriums mit ehemaligen Redakteuren von „unzensuriert.at“ in der ÖVP-FPÖ-Regierung von 2017 – 2019 (Profil,  2018).
Bei einer genaueren Betrachtung der verschiedenen alternativen Medien und dem Vergleich der unterschiedlichen Formate miteinander fällt eine große Heterogenität auf. Alternative Medien können sich beträchtlich in der Größe der jeweiligen Medienhäusern und Redaktionen, den behandelten Themen, den Vertriebswegen und der Finanzierung unterscheiden, sodass leicht der Überblick verloren geht. Daher ist es wichtig sich mit folgenden Fragen zu beschäftigen:
Was sind überhaupt alternative Medien? Welche Inhalte verbreiten sie? Was sind ihre Methoden und Ziele? Und wie kann ich, als Medienkonsument:in, diese von qualitativ hochwertigen Medien unterscheiden?

Die meisten Menschen lesen Massenmedien, einige wenige alternative Medien

Abbildung 1: Allgemein akzepierte Meinung wird als "Mainstream" bezeichnet. Alternative Medien wollen sich davon abgrenzen.
(Graphik: Carmen Tung) 

Alternative Medien? Versuch einer Begriffsbestimmung

„Ein Medium ist jedes Mittel zur Verbreitung von Mitteilungen oder Darbietungen mit gedanklichem Inhalt in Wort, Schrift, Ton oder Bild an einen größeren Personenkreis im Wege der Massenherstellung oder der Massenverbreitung“ (§ 1 Abs. 1 MedienG 1981).

Somit kann der Plural „Medien“ durchaus als Gesamtheit aller Kommunikationsmittel bezeichnet werden. Dabei gibt es verschiedene Arten von Kommunikationsformen: Printmedien (Zeitungen, Zeitschriften, Buch), audiovisuelle Medien (Fernsehen, Radio, Film) oder Webseiten im Internet (Dittmar, 2009).
Alternative Medien nutzen verstärkt Social-Media-Plattformen, wie Facebook oder Twitter, als Kommunikationsmittel. Digitale Medien erfordern in ihrer Herstellung deutlich weniger Aufwand und können in einem raschen Zeitraum massenhaft vervielfältigt und verbreitet werden. Dafür ist meist nicht einmal das Zutun des alternativen Mediums selbst nötig, wie etwa durch das Teilen von Artikeln durch User:innen (Sandberg & Ihlebæk, 2019)
Der Begriff „Alternative“ zeichnet sich durch die Abweichung von etwas anderem aus. Die „Alternative“ kann jedoch nicht ohne das „Andere“ bestehen, weil sie sich konstituierend darauf bezieht. „Das Andere“, gegen welches sich die alternativen Medien stellen, variiert in seiner Bezeichnung, ist im Kern aber stets dasselbe. Es ist die hegemoniale (= vorherrschende) Meinung der Gesellschaft, welche man als „politische, kulturelle oder religiöse Mitte“ bezeichnet. Ob die Oppositionshaltung der alternativen Medien sich nun gegen den sogenannten „Mainstream“ oder die „Massenmedien“ richtet ist jedoch obsolet. Im Kern geht es somit um die Verbreitung von Inhalten, welche abseits der politischen Mitte zu finden sind (Universität Hamburg, 2017).

Themen und Methode alternativer Medien

Um aber die verschiedenen Inhalte, welche in alternativen Medien vorkommen, darzustellen, ist eine scharfe Trennung zwischen alternativen Medien des linken und der rechten Spektrums vorzunehmen, da sich deren Inhalte stark voneinander unterscheiden.

Alternative Medien des linken Spektrums beinhalten verstärkt folgende Themen:
Kapitalismus- und Globalisierungskritik, Regierungskritik, Minderheitenschutz und Minderheitenrechte sowie Menschenrechte generell (Figenschou & Ihlebæk, 2019).

Innerhalb des rechten Spektrums werden inhaltlich folgende Themen primär behandelt:
Ablehnung des Migrations- und Asylwesens (generell xenophobische Inhalte), Klassenkampf, Nationalstaatlichkeit und Souveränität, Regierungskritik, traditionelles Familienbild und drohender Identitätsverlust (Figenschou & Ihlebæk, 2019). Medienkritik äußert sich in der Ablehnung von Massenmedien und deren Bezeichnung als Lügenpresse (Krüger & Seiffert-Brockmann, 2018).

Die hier genannte Aufzählung ist jedoch nicht als vollständig zu betrachten und dient einer Abgrenzung der beiden politischen Strömungen untereinander. Diese Abgrenzung ist insofern wichtig, da sich viele alternative Medien des linken und rechten Lagers, trotz vorgeblicher Unterscheidungen in deren inhaltlichen Ausrichtungen, in vielen Themen vereinen und eine Trennung oftmals schwierig erscheinen kann. So ist es beispielsweise nicht unüblich das sowohl bei klar links-orientierten als auch rechts-außen alternativer Medien impfkritische Beiträge oder Weltverschwörungstheorien a la „QAnon“ zu finden sind. Ein Übergang ist also oft nahtlos.
Die Methoden, welche von alternativen Medien zur Verbreitung ihrer Inhalte verwendet werden, weichen von typischen Verhaltensmustern eines qualitativ hochwertigen Journalismus ab. Die für alternative Medien tätig werdenden Personen sind im Vergleich zu angestellten Journalist:innen nicht an Verhaltensvorschriften bei der Erstellung und Verbreitung ihrer Inhalte gebunden.
Einerseits vereinfacht dies das Erarbeiten von Inhalten, da nicht fundierte Berichterstattung, welche auf einer Auseinandersetzung mit seriösen Quellen erfolgen sollte, im Vordergrund steht. Stattdessen werden häufig dubiose Quellen, inhaltliche Lücken oder sogar falsche Tatsachen bei der Erstellung von „Content“ in Kauf genommen. Methoden wie die Übertreibung oder Falschdarstellung von Sachverhalten sind daher häufig zu beobachten und können, begünstigt durch die Möglichkeit der Weiterverbreitung auf Social-Media-Kanälen, tausendfach verbreitet werden, bevor sie (wenn überhaupt) richtiggestellt werden. Dies stellt sich insbesondere bei stark in Social-Media-Kanäle vertretenen alternativen Medien als Problem dar. Denn erfolgreich auf dem Zivil- oder Strafrechtswege geltend gemachte Ansprüche auf eine Löschung oder Gegendarstellung eines fälschlichen Inhaltes erreichen meist weit weniger Personen als die ursprünglich falsche Behauptung des alternativen Mediums. Generell fungiert hier das Argument der „freie Meinungsäußerung“ als Vorwand, um die krudesten Inhalte zu verbreiten (Tagesspiegel, 2019).

Allein in einer Meinungsbubble

Abbildung 2: Alternative Medien berichten oft einseitig und tendenziös. Viele Leser:innen bleiben in einer Meinungsbubble gefangen, in der sich ihre bereits bestätigten Meinungen stets wiederholen, ohne auf Gegenargumente oder Widersprüche zu stoßen.
(Illustration: Carmen Tung) 

Die Ziele alternativer Medien

Die Ziele von alternativen Medien werden durch mehrere Faktoren beeinflusst. Zum einen ist wesentlich, wie stark das alternative Medium in eine jeweilige politische Richtung tendiert. Solange radikale politische Strömungen noch nicht im Vordergrund stehen, ist die Zielsetzung von alternativen Medien die Betrachtung und Berichterstattung von Inhalten aus einem anderen Blickwinkel. Je intensiver sich das alternative Medium aber einer radikaleren politischen Einstellung zuneigt, desto mehr geraten selbstreflektierende Prozesse bei der Bearbeitung von Inhalten oder eine Auseinandersetzung mit anderen Themen in den Hintergrund. Es geht dann primär um eine Verschärfung der Rhetorik und Bestätigung der eigenen Meinung durch unreflektiertes Duplizieren derselben Inhalte und somit um das Schaffen einer Parallelrealität („Meinungsbubble“).
Die Zielsetzung ist hier die Verbreitung der eigenen, von der Norm abweichenden, Meinung, die Etablierung einer eigenen medialen Basis und , durch die Erreichung hoher Klickzahlen, die Steigerung der Anziehung als potentielle Werbefläche für Unternehmen, um somit die Finanzierung des Mediums zu ermöglichen (Wiener Zeitung, 2016). Zum anderen beeinflusst die Finanzierung eines alternativen Mediums dessen Zielsetzung. Diese kann durch Abonent:innen und Inseratsverkäufe und/oder Spenden bewerkstelligt werden. Wenn das Medium größtenteils über Zuwendungen einiger weniger, finanzkräftigen Unterstützer finanziert wird kann von einer Fremdfinanzierung gesprochen werden. Sobald eine Fremdfinanzierung gegeben ist, sind auch immer die Absichten der/des Finanzier:in zu beachten. Diese können von politischer Einflussnahme, Werbezwecke bis hin zu Generierung von öffentlichem Einfluss reichen (Zeit Online, 2016).
In einem ersten Fazit kann also gesagt werden, dass alternative Medien Informationen oft einseitig, vereinfachend und tendenziös darstellen, meist mit politischer Agenda. Die in dieser Art verbreiteten Informationen sind eine Gefahr für die Zivilgesellschaft, da sie nicht den Regeln eines faktenbasierten und rationalen Diskurses entsprechen und damit auch nicht die wichtige Aufgabe erfüllen, der Medien in einer Demokratie zukommt.

Dieser Artikel ist Teil einer Serie. Lest hier Teil 2 über alternative Medien in Österreich und international. 

Felix Grabner ist Student der Rechtswissenschaften an der Universität Wien und hat sich dort insbesondere auf Strafrecht und Internationales Recht spezialisiert. Im Rahmen des Diplomlehrganges Global Advancement Programme des akademischen Forums für Außenpolitik - Hochschulliga für die Vereinten Nationen (AFA) befasste er sich mit dem Schwerpunkt „Politik und Medien“. Vor allem der Wandel aktueller Medienlandschaften und das Aufkommen „alternativer Medien“ stellten den Forschungsschwerpunkt des Lehrganges und seiner Abschlussarbeit dar.

- Im alexandria-Podcast "Die Sprache der Verschwörungstheorien" erfährst du, wie Verschwörungstheorien in alternativen Medien verbreitet werden  

- Figenschou, T. U., & Ihlebæk, K. A. (2019). Challenging journalistic authority: Media criticism in far-right alternative media. Journalism Studies, 20(9), 1221-1237.
- Internationale Politik: Das Magazin für globales Denken (März 2018): Überraschend oder Unausweichlich?, Aylin Matlé; https://internationalepolitik.de/de/ueberraschend-oder-unausweichlich (zuletzt abgerufen am: 29.6.2020)
- Jakob F. Dittmar: Grundlagen der Medienwissenschaft. Verlag der TU Berlin, Berlin 2009.
- Krüger, U., & Seiffert-Brockmann, J. (2018). „Lügenpresse “–Eine Verschwörungstheorie?. In Nachrichten und Aufklärung (pp. 67-87). Springer VS, Wiesbaden.
- Profil (November 2018): Unzensuriert.at: Wie die FPÖ-nahe Seite systematisch Stimmung macht; Jakob Winter und Ingrid Brodnig; https://www.profil.at/oesterreich/wie-fpoe-site-unzensuriertat-stimmung-7709776 (zuletzt abgerufen am: 18.12.2018)
- Sandberg, L. A., & Ihlebæk, K. A. (2019). Start Sharing the News: Exploring the Link Between Right-wing Alternative Media and Social Media During the Swedish 2018 Election. Statsvetenskaplig Tidskrift, 121(3).
- Tagesspiegel (April, 2019): Wie gefährlich ist rechte Desinformation im Netz?, Harald Schuhmann, Elisa Simantke und Nico Schmidt, https://www.tagesspiegel.de/politik/migrationspakt-europawahl-wie-gefaehrlich-ist-rechte-desinformation-im-netz/24218478.html (zuletzt abgerufen am: 29.6.2020)
- Universität Hamburg (September 2017), Abseits vom Mainstream: die Berichterstattung von „alternativen Medien“; Ellen Schonter; https://www.uni-hamburg.de/newsroom/nachgefragt/2017-09-19-filterzapper-altmedien-buhl.html; (zuletzt abgerufen am 18.12.2018)
- Wiener Zeitung (November 2016): Was Sie über die Medien nicht erfahren können; Werner Reisinger;
https://www.wienerzeitung.at/nachrichten/oesterreich/politik/858617_Was-Sie-ueber-die-Medien-nicht-erfahren-koennen.html (zuletzt abgerufen am: 18.12.2018)
- Zeit Online (Juni 2016): Hauspost für die Wütenden; Christian Fuchs und Fritz Zimmermann; https://www.zeit.de/2016/25/afd-compact-juergen-elsaesser (zuletzt abgerufen am: 18.12.2018)

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